Du sollst dich selbst unterbrechen

Ein Faultier – entspannt hängt es mit geschlossenen Augen an einer Liane im tropischen Regenwald
Niedlich, wie es da so hängt und sein Faul-sein genießt.
Viele Menschen erlauben sich das Faul-sein nur selten. Da gibt es doch dieses attraktive Freizeitangebot, das möchte ich nicht verpassen! Oder: Auf meiner to-do-Liste stehen noch viele Punkte, da ist es besser, diese weiter abzuarbeiten.
Ich halte heute ein Plädoyer für das Faul-sein, für die Muße, für zweckfreie Zeit ohne die Termine. Wir brauchen Stunden der Muße in unserem Leben, das heißt Zeiten, in denen wir unsere Seele baumeln lassen können so wie dieses Faultier. In diesen Zeiten verarbeitet unsere Seele unbewusst und bewusst, was sie erlebt hat, und entwickelt neue Kreativität.
Unser Gott wusste, dass wir der Ruhe bedürfen. Seine Schöpfung krönt am 7. Tag mit einem Tag der Ruhe. Lassen wir uns in diesen warmen Sommertagen hier an der Costa Blanca daran erinnern: Gönnt euch Muße in der Hitze des Tages oder eures Lebens.
Ich schließe mit Worten von Dorothee Sölle, die an der Tür meines Arbeitszimmers hingen:
Du sollst dich selbst unterbrechen
Zwischen Arbeiten und Konsumieren
soll Stille sein und Freude,
dem Gruß des Engels zu lauschen:
Fürchte dich nicht!
Zwischen Aufräumen und Vorbereiten
sollst du es in dir singen hören,
das alte Lied der Sehnsucht:
Maranata, komm, Gott, komm!
Zwischen Wegschaffen und Vorplanen
sollst du dich erinnern an den ersten Schöpfungsmorgen,
deinen und aller Anfang,
als die Sonne aufging ohne Zweck
und du nicht berechnet wurdest
in der Zeit,
die niemandem gehört
außer dem Ewigen.
Herzlich grüßt Euch alle, Eure Pfarrerin Antje Freitag